Wie geht eigentlich Gedenken?

Wie geht eigentlich Gedenken?

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Mittlerweile war ich auf vielen Gedenkveranstaltungen, meistens nur als Gast aber, auch schon mehrmals als Teil des Programms. Und jedes Mal gab es diesen Moment, wo ich mich gefragt habe, wie Gedenken eigentlich richtig geht und ob ich das richtig mache. Die Frage erscheint mir selbst etwas naiv. Aber ich möchte ihr gerne nachgehen. 

Bei mir geht es viel ums “Richtig machen”. Das ist ein Tick von mir, ich möchte alles so Gut wie nur möglich und am liebsten komplett fehlerlos, eben richtig machen. Bei vielen Dingen, wie beim Befolgen einer Anleitung oder Ausfüllen eines Tests ist das einfach, weil es klare Regeln gibt. Es gibt aber viele Situationen, bei denen man komplett auf sich gestellt ist und keiner einem sagt, was man tun soll oder was das Richtige ist. So auch beim Gedenken. 

Klar gibt es ein paar Dinge, die klar vorgegeben sind: Bei der Gedenkminute wird geschwiegen, man steht auf senkt vielleicht den Kopf oder faltet die Hände. Applaudieren tut man gar nicht oder nur selten und über Alltagsthemen schwatzen kommt nicht infrage. Aber was ist mit dem Rest?

Während den Schweigeminuten erwischte ich mich immer wieder dabei, wie ich gedanklich abschweifte und an völlig irrelevante Dinge dachte. Egal wie sehr ich mich versuchte zu konzentrieren, meine Gedanken wanderten immer wieder zurück zum Mittagessen oder zu meiner Frisur. Egal wie oft ich mich dafür verurteilte, es passierte immer wieder. Ich dachte, dass es vielleicht eine Eigenheit meiner Generation oder meines Alters ist.

 

Bis ich mich irgendwann ernsthaft fragte, warum ich mich nicht auf den Anlass konzentrieren konnte. Die Antwort kam recht schnell: Ich war nicht bei der Sache, weil ich mich nicht mit den unangenehmen Gefühlen konfrontieren wollte. Es war wie eine Art Schutzmechanismus. 

Als mir das auffiel, hörte ich auf, mich dafür zu verurteilen und zeigte Verständnis für mich selbst. Ich nahm mir vor, mich beim nächsten Mal einfach auf das Schweigen und den Anlass zu konzentrieren. Seither tue ich das auch und lasse die unangenehmen Gefühle zu. Und genau hier habe ich für mich den Kern von “richtig Gedenken” gefunden.

Richtig Gedenken bedeutet für mich, sich an eine Person oder ein Ereignis zu erinnern, um sie/es zu ehren und ihr Andenken zu bewahren, obwohl (oder gerade weil) es bei uns unangenehme Gefühle auslöst oder von uns fordert, in der Kälte zu stehen oder einen langen Fußmarsch zu machen. Sich wider den eigenen Bequemlichkeiten für das Erinnern entscheiden, ist für mich “richtig Gedenken”.   

Eine Anleitung zum richtigen Gedenken gibt es natürlich nicht. Es gibt auch keine bessere oder beste Art, an etwas oder jemanden zu erinnern. Ich glaube, die beste Art ist es einfach zu tun. Egal ob sich das Ereignis gerade jährt oder ob es andere Personen tun. 

Ich mag an Gedenkveranstaltungen besonders den Gemeinschaftsaspekt. Sich gemeinsam an etwas erinnern und sich darüber auszutauschen, empfinde ich als angenehm, weil man seine Ansichten und Gefühle austauschen kann und man das Gefühl bekommt, nicht allein zu sein. So kann ich auch gut meinen unangenehmen Gefühlen begegnen. 

Ich finde es immer wieder schade, dass auf Gedenkveranstaltung das Durchschnittsalter so hoch ist, weil ich finde, dass das tolle Gelegenheiten für Jugendliche wären, etwas zu lernen und mitzunehmen. 

 

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