Israel

Israel

  • Beitrags-Autor:
  • Beitrags-Kategorie:Blog
  • Beitrags-Kommentare:0 Kommentare

Meine intensive Beschäftigung mit der Vergangenheit weckte in mir den Wunsch nach Israel zu reisen und das Land zu besuchen, was so vielen vor über 75 Jahren eine Zuflucht war. Ich war noch nie alleine gereist und hatte deshalb während der Planung große Zweifel. Meinen Ängsten trotzend stieg im Oktober 2019 in das Flugzeug, welches mich sicher nach Tel Aviv bringen würde. 

Schon allein der Flughafen vermochte es mich zu verzaubern. Alles sah herrlich sonnig, sandig und vor allem furchtbar fremd aus. Ich holte meinen Rucksack vom Gepäckband uns sah das erste, was mich ins Staunen versetzte. Ich sah eine Gruppe Männer mit Schläfenlocken, großen Hüten und langen schwarzen Mänteln. Ich hoffe wirklich, dass ich sie nicht zu offensichtlich angestarrt hatte. Ihr Anblick war so fremd aber so freudig für mich. Bisher hatte ich noch nie einen Mann mit Schläfenlocken gesehen, außer im Fernsehen. Ich war mir nie sicher, ob so etwas heute noch getragen wird. Ich komme mir im Nachhinein total naiv vor, weil ich so unvorbereitet losgereist bin. 

In Israel sah ich auch zum ersten Mal einen Mann mit einer Kippa auf dem Kopf rumlaufen. In Deutschland habe ich so etwas noch nie gesehen. Dieser Gedanke macht mich traurig, weil es schade ist, dass diese Kultur (zumindest weites gehend) aus der Deutschen Kulturlandschaft ausgelöscht wurde und heute keine wirkliche Chance zum Aufblühen bekommt. Der Gedanke machte mich aber auch froh, weil es zumindest hier noch Menschen gibt, denen es ohne Probleme möglich ist eine Kippa zu tragen. Doch der Preis, den sie dafür zahlen mussten hätte nicht sein müssen. 

Ähnlich gespalten war ich auch bei anderen Kleidungsmerkmalen, die mir auffielen. Sei es Schläfenlocken, Tallit, Zizit und Schtreimel bei den Männern oder den langen Röcken, Perücken und Kopftüchern bei den Frauen. Einmal habe ich mich fast zwei Stunden vor eine Synagoge gesetzt und nur die vorbeigehenden Menschen beobachtet und besonders ihre Kleidung betrachtet. Es hat mich sehr fasziniert. 

In meinem Hostel in Tel Aviv lernte ich zwei Menschen kennen, deren Geschichte, mich bis heute beschäftigt. Sie kamen beide zufällig aus Frankreich und schliefen im gleichen Zimmer wie ich. 

Natalie erzählte mir, dass sie in Israel ihre Wahlheimat gefunden hat und gerne dorthin auswandern möchte, doch ihr das nicht möglich ist, weil sie keine Jüdin ist. Sie reist so oft und so lange sie kann nach Israel und hat dafür ihr ganzes Geld ausgegeben und ihr Leben umgestellt. Sie überlegte damals noch weiter zu gehen und zum Judentum zu konvertieren. Sie erzählte, dass sie nicht wirklich religiös sei, aber nur weil sie so nicht erzogen wurde. Sie beschäftigte sich wohl schon seit über einem Jahr mit dem Gedanken und hat damit begonnen Hebräisch zu lernen und sich intensiv mit der jüdischen Religion zu beschäftigen. Sie sah im Konvertieren ihre einzige Chance ihren Traum von einem Leben in Israel wahr werden zu lassen, doch wolle es nur machen, wenn sie sich in der Religion auch wiederfindet und den Glauben ehrlich annehmen  kann. 

Marc wollte ebenso nach Israel auswandern, doch hatte es bei ihm andere Gründe. Anders als Natalie war er Jude und würde deswegen keine Probleme bei der Einwanderung haben. Er erzählte, dass er Frankreich verlassen wollte, weil er dort regelmäßig aufgrund seiner jüdischen Religion angefeindet wurde. Er erzählte, dass er in seinem Wohnviertel regelmäßig belästigt und beleidigt wird. Seine älteste Tochter sei deswegen schon nach Israel ausgewandert. Er möchte nun folgen, weil er wieder in Ruhe leben möchte. 

Als ich auf den Bahnhofsvorplatz in Jerusalem trat, fühlte ich mich merkwürdig zu Haus. Dieses Gefühl von Geborgenheit und begleitete mich während meines gesamten Aufenthalts. 

Ich hatte das große Glück während Sukkot, dem Laubhüttenfest in Israel zu sein. 

Sukkot erklären


Falafel

RabiGuy 

Essen beim Rabi, die Geschichte aus New York, wo jemand in seinem Apartment eine Laubhütte gebaut hat. Laubhütte im Konzentrationslager

Nachdem Essen, als ich mich mit meinen Begleiter*innen auf den Weg zurück machen wollte, rief plötzlich jemand meinen Namen. Das verwirrte mich sehr, da ich bisher nur ein namenloser Gast gewesen war. Mir wurde gesagt, dass die Nachbarn dringend meine Hilfe benötigten, ich verstand nicht recht, warum diese fremde Leute ausgerechnet meine Hilfe brauchten, doch da es das mindeste war, was ich im Gegenzug zu der Gastfreundschaft tun konnte, ließ ich mich zu dem Haus führen, wo ich gebeten wurde, das Licht und den Herd auszumachen. Sehr verwirrt tat ich, worum man mich bat. Wir verabschiedeten uns und traten den Heimweg an. Ich fragte, ob mir jemand erklären könnte, was sich die letzten fünf Minuten abgespielt hatte. Ich wurde daran erinnert, dass nach dem jüdischen Glauben an Feiertagen sowie während des Shabbat Jüdinnen*Juden keine elektrischen Dinge benutzen durften. Wäre ich nicht da gewesen, hätten sie entweder auf der Straße nach jemandem gesucht oder Licht und Herd einfach angelassen. Ich musste lachen, weil ich das vergessen hatte und wahrscheinlich in meiner Verwirrtheit eine ziemlich lustige Figur abgegeben haben musste und freute mich, dass ich helfen konnte.

Klagemauerbesuch zwischen all den Betenden 
Eine Jüdin aus Amerika, die ich aus dem Hostel kannte nahm mich mit zur Klagemauer. Im Gegensatz zu meinem ersten Besuch an der Klagemauer, wo der Vorplatz so gut wie leer war, versammelten sich dort nun unzählige betende Menschen. Meine Begleitung drängte sich durch das Getümmel und ich hatte große Mühe ihr zu folgen. Ich fühlte mich total unwohl, war aber zugleich total fasziniert. Sie bahnte sich einen Weg bis ganz nach vorne und bog dann nach rechts ab. Ich folgte ihr und zusammen stiegen wir eine Steintreppe in einen kleinen Raum hinauf. An der Wand stand ein vollgestopftes Bücherregel. Meine Begleitung fing an ein Gebetsbuch in ihrer Sprache zu suchen und ich versuchte mir einen Platz in einer Ecke des Raumes zu suchen, wo ich keinem bei seinem Gebet störe. Für mich war es ein bizarrer Anblick, wie sich diese Frauen vor und zurück wiegten und dabei ihre Gebete murmelten. Irgendwann glaubte ich ein Muster zu erkennen. Auch meine Begleitung fing nun an mit ihrem Gebet. Ich kam mir total vor wie ein Eindringling. In dem Raum beteten vor allem ältere Frauen oder Frauen mit Kindern. Als meine Begleitung fertig war, bahnten wir uns wieder einen Weg zum Vorplatz und meine Begleitung machte einen Stopp an der Klagemauer, um sie zu berühren. Den Rest des Rückwegen mussten wir Rückwärts zurücklegen, da man der Klagemauer, die Gott symbolisiert, nicht den Rücken kehren darf. Natürlich respektierte ich das und begann rückwärts zu laufen, wobei ich mir ziemlich bekloppt vorkam. Ich rempelte ständig jemanden an oder trat jemandem auf dem Fuß, aber das schien niemanden zu stören. 



Der Rabi, der mich aufgelesen und mit in die Synagoge genommen hat, Tora aus dem Toraschrein genommen

Schreibe einen Kommentar